Im Jahr 1701 gehörte das Eichsfeld weiterhin zum Kurfürstentum Mainz. Die Ordnung in den Klostergemeinden wurde verbessert. Dies geschah hauptsächlich durch extra dafür eingesetzte sachkundige Ortsrichter, die von den Mönchen im Kloster Gerode im Lesen und Schreiben ausgebildet wurden. Die Ordnung hielt über viele Jahre an. Das Eichsfeld leistete unter Friedrich dem Großen zwischen 1740-1786 Kriegsdienste für Österreich und stand im Krieg gegen Preußen. Viele Holunger waren an diesen Kriegen beteiligt oder ließen sich bei dem Kurmainzischen Husarencorps anwerben. Daher findet man auch heute noch viele Stammesnamen aus Holungen in Wien.

1802 wurde das Eichsfeld an Preußen angegliedert. Dies war am 3. August, dem Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm. An diesem Tag kam der Kammergerichts-Referendar von Bärensprung aus Berlin in einer Pferdekutsche nach Worbis. Der Bürgermeister und der Rat der Stadt begrüßten den Herren im Amtsgericht. Er war Mitglied der „Organisations-Kommission“ in Heiligenstadt und überbrachte das Patent des Preußenkönigs. Dieses besagte, dass er das Kurmainzische Eichsfeld mit Erfurt, Anteile von Treffurt und Nordhausen in Besitz nehmen wird. Inzwischen hatten sich viele Menschen auf dem Marktplatz versammelt und hörten dem Gesandten zu, der folgendes Besitzergreifungspatent aus Königsberg vom 6. Juni 1802 verlauten ließ: „Wir Friedrich Wilhelm der Dritte, von Gottes Gnaden König von Preußen, Markgraf von Brandenburg u.s.w. entbieten den geistlichen Stiftern und der übrigen Geistlichkeit, sowie der Ritterschaft, den Lehnsleuten, Einsassen und Untertanen des Eichsfeldes und der Städte Mühlhausen und Nordhausen unsere königliche Gnade, geneigten Willen und alles Gute!“ Nach diesen Worten ließ der Vertreter des Königs den Adler am Amtsgericht anschlagen und legte alle herrschaftlichen Gelder unter Siegel. Damit war die Einverleibung des Fürstentums Eichsfeld und somit auch Holungens in den preußischen Staat erfolgt. Kurmainz war nach vielen hundert Jahren kein deutscher Staat mehr. Friedrich von Raumer übernahm von nun an die Verwaltung der Eichsfelder Klöster.

1803 wurde Gerode Staatsgut. Die preußische Herrschaft hielt nur vier Jahre und zehn Wochen, bis zu den Unglücksjahren 1806 und 1807, in denen Preußen fast völlig vernichtet wurde. Im Jahre 1806 verlor man die Schlacht bei Jena und Auerstädt, wodurch Napoleon schon im Dezember des Jahres die beiden eichsfeldischen Kreise unter Besitz nahm. Friedrich Wilhelm der Dritte floh mit seiner Frau und den Prinzen nach Memel. Die Franzosen verlangten hohe Abgaben, welche die Holunger über das Kloster Gerode leisten mußten. 1807 kam das Eichsfeld zum Königreich Westfalen mit der Hauptstadt Kassel. Am 01.01.1808 trat das bürgerliche Gesetzbuch, der „Code Napoleon“, in Kraft. Die Jungmannen mussten jetzt Kriegsdienst im Heer der Franzosen leisten. Außerdem waren die Abgaben und Lasten unter dem Steuerdruck der Polizei sehr hoch. In dieser Zeit marschierten viele Truppen durch das Eichsfeld und ließen sich auch in Holungen nieder.

1812 Jahr begann der Feldzug Napoleons nach Rußland. Dabei sollte er allerdings eine bittere Niederlage einstecken. Da der Winter bereits am 12. Oktober einsetzte, kamen aus diesem Krieg nur 20.000 von ehemals 500.000 Männer halb erfroren, zerfetzt und in vielen kleinen ungeordneten Gruppen zurück. Viele Holunger zogen mit in den Krieg nach Rußland oder beteiligten sich später von 1813 bis 1815 an den Heeren gegen Napoleon. Nach den Freiheitskämpfen gehörte das Eichsfeld wieder Preußen an. König Friedrich Wilhelm versuchte die Wunden des Krieges zu heilen. Es wurden geordnete Gesetze geschaffen. Worbis erhielt ein eigenes Stadt- und Landgericht. Holungen wurde dem Gerichtsamt Gerode zugeteilt. Holungen erhielt 1841 seinen ersten Kaplan. Seit dem 28.01.1844 hat der Ort laut Verfassung des Kommissariats jeden Sonn- und Feiertag vollständigen Gottesdienst.

1848 war das Jahr der Revolution. Es gab viele Ausschreitungen im Kreis Worbis. Deshalb wurden in den Dörfern Bürgerwehren geschaffen, die dem Bürgermeister unterstellt waren. Die Wehren wurden mit Pieken, Säbeln und Gewehren ausgerüstet. Ein Jahr später wurde das Grundbuchamt vollständig im Amtsgericht Worbis eingerichtet. Die Cholera suchte den Kreis Worbis im Jahr 1850 heim. Die meisten Toten hatte Weißenborn zu verzeichnen, Holungen war nur gering betroffen. Im September 1855 besuchte der König viele Orte im Kreis. Das Eichsfeld hatte durch die Freiheitskriege viel gelitten, es gab Missernten und viele Krankheiten.

Am 02. Februar 1861 starb König Friedrich Wilhelm der 4., sein Bruder Wilhelm der Erste trat an seine Stelle. Im selben Jahr erfolgte der Ausbau der Chaussee über den Graseforst. Die Holunger waren unzufrieden, da der Ausbau durch das Segel für den Ort günstiger gewesen wäre. Im Februar 1865 gab es einen großen Prozeß um dieses Thema. Die Chaussee führte von Worbis über den Sonnenstein nach Gerode und war eine halbe Stunde weiter als der alte Weg. Holungen war dadurch fast komplett vom Fremdenverkehr abgeschlossen.

1864 fand der Krieg Preußens gegen Dänemark statt, zwei Jahre später waren Österreich und Hannover die Gegner. In den Jahren 1870/1871 fand der Krieg gegen Frankreich statt, an dem wiederum viele Holunger beteiligt waren. Am 30. Januar 1871 wird Deutschland Kaiserreich, unter dem Kaiser und Preußenkönig Wilhelm. Die Soldaten kehrten mit dem „eisernen Kreuz“, der „Kriegsgedenkmünze“ und anderen Verdienstzeichen zurück. Die Kammeraden kamen öfter zusammen. So entstand eine Kriegskammeradschaft und später ein Krieger-Verein.

Durch den Kanzler Bismarck entstanden das Arbeiter-Schutz-Gesetz und viele Krankenkassen. In Holungen ergab sich eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen. Die Bürger waren stolz auf ihren alten Kaiser Wilhelm. Ein Holunger, Josef Hildebrandt, war von 1861- 1888bder Kutscher des Kaisers. In dieser Zeit hatte Holungen ca. 650 Einwohner, zwei Baumschulen, ein Hirtenhaus, eine Schule, eine Gemeindeschenke und einen Feuerteich. Außerdem besaß der Ort 196 Äcker und ca. 500 Morgen eigenes Land.

Am 01. April 1876 wurde Rektor Friedrich Polak aus Nordhausen zum Schulinspektor ernannt. Holungen bekam einen zweiten Lehrer und eine neue Schule wurde gebaut. Im März des Jahres 1871 wurden die Grundstücke in der gesamten Flur vermessen. Durch die verschiedenen Höhenlagen war es zwar möglich, dass es Differenzen in den Messungen gab, aber in 232 Fällen wurde die zulässigen Abweichungen überschritten. In 100 Fällen betrugen sie sogar das Doppelte des Zulässigen. Die Besitzer gaben das Land in das Seperationsverfahren und ließen es sich hinterher zurückgeben. Dadurch wurde die Flur verkleinert. 1906 kam heraus, dass Holungen 180 Äcker Fläche fehlten, die im Grundbuch eigentlich eingetragen waren. 1925 wurde das Land doppelt verbucht, einmal für den Forstfiskus und zum anderen für die Gemeinde Weißenborn. Holungen erhob Einspruch, jedoch ohne Erfolg.

Im Sommer 1886 wurde Holungen durch ein heftiges Hochwasser geschädigt, außerdem wurde die Brücke über die Bode gebaut. Am 06. November 1888 wurde die freiwillige Feuerwehr Holungen gegründet. 1904 bekam die Feuerwehr eine neue fahrbare Spritze. Nach 35 Jahren wurde diese von einer Motorspritze ersetzt.

Im Juni 1890 gründete man in Holungen einen Kirchenbau-Verein. Ein Jahr später wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Die Steine dafür wurden im Bruch im Wehnberg gebrochen und herangeschaffen. Ein Lehrer aus Holungen übte mit den jungen Menschen Theaterstücke ein und spielte auf den Nachbardörfern für den Aufbau der Kirche. Am 20. Juni wurde sie von Weihbischof Dr. Augustinus Gockel eingeweiht. Seit dem Oktober 1893 wurde der Friedhof im Knick genutzt. Ein Jahr danach kam das Standesamt von Bischofferode nach Holungen. 1895 wurde die Chaussee in Richtung Bischofferode gebaut. Holungen erhielt Unterstützung von der Landesbauinspektion Mühlhausen. Im Jahr 1896 erhielt der Ort eine neue Kirchenorgel. Im Juni 1897 schlug der Blitz in den Kirchturm ein, der daraufhin repariert werden musste. Im Herbst des Jahres erhielt Holungen eine neue Kirchenglocke, weil die alte beim Läuten gesprungen war.