Viele junge Männer in Holungen wurden in den Krieg eingezogen. Sie kämpften in Polen, Frankreich, Russland und gegen England. Holungen hatte sein erstes Opfer in Russland. Zahlreiche Männer aus Holungen starben. Tiefe Trauer, Kummer und Schmerz mußten die Angehörigen ertragen, die von diesem Schicksal heimgesucht worden.

Zum Ende des Krieges spürte auch der Ort Holungen die Auswirkungen des Weltkrieges. Alliierte Flieger kamen bei Tag und Nacht. Am Ohmberg in der Nähe von Forsthaus Mariental wurde eine große Luftmiene abgeworfen. Nicht weit von Kloster Gerode und in Weißenborn wurden einige Flieger von der Luftwaffe abgeschossen. Holungen blieb von den feindlichen Fliegerangriffen weitestgehend verschont. Einige Bürger mußten Strafe zahlen, weil sie ihre Fenster nicht genug verdunkelt hatten.

Im Frühjahr 1945 mußten sich die deutschen Truppen zurückziehen. Am 14. März bekam Holungen viele Soldaten zur Einquartierung, hauptsächlich Soldaten der Flak und Infanterie. Ab jetzt kam die Gemeinde in die Kampfzone. „Man konnte den Donner der Geschütze, Maschinengewehre und Flak schon in der Umgebung hören“ (Interview Rita Mühe, Schneiderin). Am 9. April 1945 ging die Artillerie in der Umgebung Holungens in Stellung. Das erste Geschütz im Ziegenberg, das zweite an der Chaussee und das dritte Geschütz hinter den Höfen am Wetterkreuz. Am späten Nachmittag des 9. April rückten sie wieder ab ohne einen Schuss zu verlieren. Die Flak-Geschütze gingen nun in der Steinesbreiten und der Graseforst in Stellung. In der Nacht vom 9. zum 10. April kam es gegen 11.00 Uhr zum Gefecht. Die Flak-Geschütze schossen ca. 3 Stunden mit längerer Unterbrechung auf Alliierte Flieger. Die Bewohner Holungens und ihre Häuser, blieben unbeschädigt. Im Nachbardorf Brehme hatte die amerikanische Artillerie einige Häuser mit Granaten beschädigt. Auch eine Frau und ein Kind wurden von den Geschossen getroffen und getötet.

Am 11. April begann der Vormarsch der amerikanischen Truppen auf Holungen. Ein Tag zuvor flüchteten die deutschen Truppen aus Holungen. Als die Nachricht vom Vormarsch der Amerikaner bekannt wurde, ging der Bürgermeister Josef Ertmer und Pfarrvikar Bernhard Opfermann, der seit 1943 in Holungen mit der Seelsorge beauftragt war, den anrückenden Truppen am Sonnenstein entgegen. Beim Annähern des ersten Fahrzeuges gingen beide Männer zu dem feindlichen Fahrzeug und baten den amerikanischen Soldaten, Holungen zu verschonen. Sie erklärten das keine deutschen Soldaten mehr im Dorf waren und das ein Widerstand Holungens nicht vorlag. Am Kirchturm hatten die Bürger eine weiße Fahne mit rotem Kreuz wehen lassen.

Gegen 14.00 Uhr erreichten die ersten Panzerwagen Holungen. Sie fuhren von der Bodengasse her durch Holungen in Richtung Bischofferode. Drei Tage, am 11., 12. und 13. April fuhren die Panzer ununterbrochen, Tag und Nacht, durch Holungen. Die Bewohner durften nur mittags von 12.00 Uhr – 13.00 Uhr die Hauptstraße benutzen. Die Häuser bebten von den schweren Panzern und Lastwagen. Die Straßenwand an Klemens Frickes Schafstall und an der Bäckerei Ignaz Artmann wurden eingefahren. Am 18. April ließ die Truppenbewegung endlich nach, aber alle Straßen in Holungen waren vollständig zerstört.

Holungen wurde von Plünderungen verschont. Nur einige Polen aus dem Gefangenenlager Bismarckshall stahlen etwas, belästigten die Leute und nahmen den Bewohnern die Räder weg. Am 10. Juni wurden sie von den Amerikanern abtransportiert. Die Amerikaner benahmen sich allgemein gegenüber den Dorfbewohnern gut und gaben ihnen ihre religiöse Freiheit wieder. Alle katholischen Feiertage wurden wieder gefeiert. Die Bittage, Fronleichnam und der Johannestag waren ein Erlebnis wie nie zuvor.

Am 4. Juli 1945 kamen die russischen Soldaten mit Pferden und Wagen nach Holungen. Im Garten von Simon Wand wurden 30 Pferde und Wagen untergestellt. Die Soldaten stellten viele Ansprüche an Milch, Eiern, Fleisch und Kartoffeln und ließen die Leute nicht zur Ruhe kommen. Das Hauptquartier der Soldaten war im Ziegelhof bei Pfafferodt. Die Familie Pfafferodt mußte aus dem Haus in das Nebengebäude umziehen. Das Gebäude bekam von den russischen Besatzern den Namen ,,Haus Stalin“ und wurde an der Hausmauer zur Straße mit einem übergroßen Stalinbild behangen. Außerdem lagerten die russischen Soldaten bei Simon Wand, in der Gemeindeschänke und in der Schule. Die Offiziere hatten im Dorf Privatquartiere. Die Bewohner mußten ununterbrochen für die Russen arbeiten um landwirtschaftliche Erzeugnisse abzuliefern. Täglich mußte ein Rechenschaftsbericht über die geleistete Arbeit dem russischen Kreiskommandoamt vorgelegt werden. In der Nähe von Ecklingerode war die Grenze zu den Amerikanern und Engländern. Auf dem Faulen Feld sind einige Deutsche beim Grenzübergang von Russen erschossen worden. Am 20. August zogen die russischen Soldaten wieder ab und es blieb nur eine kleine Besatzung.

Holungen ist vom Geschehen des 2. Weltkrieges weitgehend verschont geblieben und mußte nur die Besatzung durch die Amerikaner und Russen ertragen.