Kaliwerk in den 50er Jahren

Das Kaliwerk „Thomas Müntzer“ war im 20. Jahrhundert der wichtigste Arbeitgeber der Bevölkerung. Auch viele Holunger waren dort beschäftigt. Die Geschichte des Kaliwerks begann am 04. Januar 1909. Der Auftraggeber für den Bau des Schachtes war die „Aktiengesellschaft Bismarckshall, Kaliwerk in Samswegen, Bezirk Magdeburg“. Die Kaliarbeiter waren zumeist ehemalige Hausweber, Wanderarbeiter, Hausierer und Landarbeiter. Die Arbeitsbedingungen für die Menschen waren zu dieser Zeit allerdings noch sehr schlecht. Die Belegschaft von 110 Mann hatte nur 3 Toiletten und wenige Waschmöglichkeiten. Die Elektrozentrale war weder sicher, noch isoliert. Die Kesselwärter waren Wind, Regen und Kälte ungeschützt ausgeliefert. Da viele Arbeiter sich für mehr Schutz und Sicherheit aussprachen, ließ sich die Verwaltung dazu überreden, ein Dach über die Kessel zu bauen. Am 03. Juni 1910 wurde im Schacht eine Tiefe von 600,5 m erreicht.

Der Schacht II (Holungen) wurde am 02. Januar 1912 fertiggestellt. Er hatte einen kleineren Durchmesser und wurde überwiegend mit Beton ausgekleidet. 1911 begann die erste Förderung von Rohsalz aus der Aus- und Vorrichtung, ein Jahr später setzte der Abbau ein.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges befahl Kaiser Wilhelm II. Anfang August 1914 die Mobilmachung des deutschen Heeres. Der größte Teil der Belegschaft des Kaliwerkes wurde sofort einberufen. Die Arbeitszeit wurde auf Kosten der Arbeiter verkürzt. 1915 beschloß man, dass auch Kriegsgefangene im Bergbau tätig werden sollten. In den folgenden Jahren stiegen zwar die Löhne, aber die Preise für die Grundnahrungsmittel stiegen noch schneller. 1923 arbeiteten 750 Menschen im Kaliwerk, vier Jahre später waren es nur noch 320. Im Jahr 1929 stieg die Zahl der Arbeiter  auf 560, dann nahm die Weltwirtschaftskriese ihren Einfluss und  somit waren es 1933 nur noch 162 Mann. Ab 1939 war das Kaliwerk auch der Zulieferer für die Kriegswirtschaft Hitlerdeutschlands und so mit der „Rüstungsindustriestufe SS“ gleichgesetzt. Es war das einzige Werk, welches 98 bis 99%iges Chlorkalium mit höchstem Reinheitsgrad lieferte. Mit diesen Salzen konnten Sprengstoffe und andere, für den Krieg wichtige Materialien, produziert werden. Bis 1939 diente nur der Schacht II der Förderung. 1940 wurde auch der Schacht I in Betrieb genommen. Am 1. September 1946 ging das Kaliwerk Bismarckshall in sowjetisches Staatsgut über und wurde ein SAG-Betrieb.

Zum Ausbau der Verkehrsverbindung erhielt man 1950 einen Omnibus, der auch Kumpel von weiterher beförderte. Am 5. Juli 1953 wurde dem Werk der Name des Bauernkriegers Thomas Müntzer verliehen. 1956 errang das Werk die Wanderfahne vom Ministerrat für ausgezeichnete Ergebnisse im Kampf um die Planerfüllung. In den folgenden Jahren stieg die Kalisalzproduktion immer weiter an. Im Jahre 1977 bekam das Kalisalz für seine gleichbleibende Güte den K1- Preiszuschlag, zwei Jahre später bekam man das Gütezeichen „Q“. Im Jahre 1983 wurde der Titel „Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“ verliehen. Ab 1985 war das Werk der alleinige Hersteller von Lehnenverstellern für den Wartburg. Außerdem wurden auch Dachfenster und Kalidüngemittel hergestellt. 1993 wurde der Betrieb im Kaliwerk eingestellt. Man errichtete eine Gedenktafel zur Erinnerung an die bis dahin verunglückten 74 Kumpel, die meist durch Fürst- und Steinfall sowie durch Zugunglücke und Stromschläge ums Leben kamen.

Holunger Teil des Gewerbegebietes 2007


Am 18. Oktober 1995 wurde der 120 Meter hohe Schornstein gesprengt. Viele Schaulustige beobachteten das Spektakel, welches 3400 Tonnen Schutt zum Ergebnis hatte. 56 Kilogramm Sprengstoff wurden in den 95 Löchern des Schornsteins deponiert. Der Turm war 1965 errichtet worden und diente dem Rauchabzug des Kraftwerkes. Der zweite Schornstein der 20 Meter kürzer war, wurde am 8. November des Jahres zu Fall gebracht. Die angrenzende Straße wurde kurzzeitig gesperrt um Passanten und Fahrzeuge nicht zu gefährden. Danach begann man mit Aufräumarbeiten. 1996 wurde der letzte noch vorhandene Förderturm zu Fall gebracht und Bagger begannen damit die Fabrikgebäude abzureißen. Heute erinnern ein Museum auf dem ehemaligen Gelände und der Hügel des Kalirückückstandberges an das ehemalige Kaliwerk.