Vor Zeiten lebte in Holungen ein einfältiger Bauer, der aber das Glück hatte, eine kluge und entschlossene Frau zu besitzen. Er kannte seine Schwäche und tat deshalb nie etwas Wichtiges, ohne seine Frau erst um Rat gefragt zu haben. Eines Tages wollte sich seine Tochter nach Bischofferode verheiraten, und da sie eine so genannte „gute Partie" machte, sollte eine große Hochzeit gefeiert werden. Aber das Geld war knapp, und die Zeiten waren schlecht. Nach kurzer Beratung mit seiner Frau bestieg der Bauer sein Pferd und schlug den Weg nach Kaltohmfeld ein, wo ein guter Freund von ihm wohnte. In Gedanken darüber versunken, wie er sein Anliegen am besten vorbringen könnte, erreichte er das Ohmgebirge. Plötzlich stand, wie aus der Erde gewachsen, vor ihm ein Mann mit schwarzen, stechenden Augen. Dieser sprach zu ihm: „Ich will dir das Geld geben, das du brauchst, wenn du dieses Schriftstück unterzeichnest.“ Der Bauer, dem der Fremde verdächtig vorkam, antwortete nach kurzem Besinnen: „Da will ich doch erst meine Frau fragen.“
 
Als er nach Hause kam und seiner Frau den Vorfall erzählte, meinte diese: „Den Mann möchte ich mir doch etwas näher ansehen.“ Die beiden ritten nach dem Ohmgebirge, der Mann voran auf dem Pferd und die Frau hinterdrein auf einem Esel. Im Wald angekommen, stieg die Frau von ihrem Grautier und band es an einen Baum. Dann kniete sie nieder, streckte ihre Arme aus und betete. Der Bauer, der das nicht bemerkt hatte, ritt noch ein Stück weiter. „Hier hast du das Geld“, rief eine Stimme, und der Fremde stand plötzlich wieder vor ihm. Der Bauer nahm den gefüllten Beutel ab, der Fremde fuhr fort: „Nun musst du aber mit deinem Blut unterschreiben.“ Da entgegnete der Bauer: „Dabei muss meine Frau zugegen sein.“ Dann ritt er in des Fremden Begleitung zurück. Als er an den Felsen kam, erblickte er seine in Andacht versunkene Frau. Auf dem Esel aber saß eine Frau von strahlender Schönheit mit einem Kind auf den Armen, das ihn anlächelte. Der Fremde fing an, heftig zu zittern. Plötzlich ertönte ein furchtbarer Schlag. In dem Felsen hatte sich ein breiter Spalt gebildet, und der Fremde war darin verschwunden. In der entstandenen Felsöffnung ließ die Bauersfrau bald darauf ein Bildnis der heiligen Jungfrau mit ihrem Kind aufstellen, das von dem Ehepaar fleißig besucht wurde. Es dauerte nicht lange und es fanden sich aus der Umgegend noch viele andere Beter ein, und die Stelle erhielt wegen der Wildheit des Ortes den Namen Wilde Kirche".